Internationalisierung handwerklicher Dienstleistungen zur Sicherung und Ausweitung der Beschäftigung

Förderkennzeichen 01HQ0528
Laufzeit: September 2005 bis August 2009
1. Zielsetzung
Ziel des Vorhabens ist es, die Wettbewerbschancen des deutschen Handwerks im und durch den Export von Dienstleistungen zu verbessern. Dadurch sollen neue Arbeitsplätze geschaffen und die Beschäftigungslage stabilisiert werden. Die Exportquote des Handwerks soll längerfristig deutlich gesteigert werden. Nach dem Motto „Von den Erfahrenen lernen“ wird das Wissen von Export erfahrenen Unternehmen aufbereitet und an Exporteinsteiger vermittelt. Auf der Basis der Analyse fördernder und hemmender Faktoren des erfolgreichen Handelns in internationalen Wertschöpfungsketten werden Lösungswege modellhaft erprobt und effiziente Wege zur Umsetzung und Verwertung der Ergebnisse im Handwerk beschritten.
2. Ausgangssituation
Im deutschen Handwerk werden Auslandsaktivitäten bisher eher als Randthema wahrgenommen. Im Moment sind etwa 5% aller handwerklichen Betriebe grenzüberschreitend tätig, wobei etwa 3% des Umsatzes im Handwerk mit ausländischen Kunden erzielt wird. Allerdings zeigen diese Betriebe, dass sie zu den innovativsten gehören. Viele dieser Unternehmen haben damit nicht nur ihr Überleben gesichert, sondern Umsatz und Beschäftigung entscheidend ausgeweitet.
Diese Argumente müssen bei der überwiegenden Anzahl derjenigen Betriebe, die noch auf ein enges regionales Umfeld konzentriert sind, auf breiter Basis gestreut werden. Es gilt z.B. die EU-Osterweiterung als Chance und weniger als Gefährdung deutlich zu machen. In einem ersten Schritt bedarf es dazu der Erfassung bestimmter Charakteristika erfolgreicher Beispiele.
Auf den ersten Blick stellt sich die Situation bedrohlich dar:- In fast allen Ländern besteht ein breites Netz von Handwerks-, Klein- und Mittelbetrieben, welche die Grundversorgung mit handwerklichen Gütern und Dienstleistungen sicherstellen.
- Die deutschen Handwerksbetriebe haben insbesondere wegen der zumeist höheren Lohnkosten Preisnachteile gegenüber den Handwerksbetrieben aus dem Ausland.
Warum können deutsche Handwerksbetriebe dennoch erfolgreich auf ausländischen Märkten agieren? Drei Gründe können angeführt werden:- Das Angebot der deutschen Handwerksbetriebe hebt sich insbesondere in Bezug auf Qualität, Flexibilität, Innovationskraft, Zuverlässigkeit, Termintreue und Anpassung an die Kundenwünsche deutlich von demjenigen der Konkurrenz aus dem Ausland ab, so dass die höheren Preise in Kauf genommen werden.
- Die Güter und Dienstleistungen der deutschen Handwerksbetriebe sind im Ausland nicht erhältlich.
- Deutsche Handwerksbetriebe gehen im sog. ‚Huckepackverfahren’ mit deutschen Firmen ins Ausland oder sie werden von deutschen Privatpersonen, die im Ausland wohnen, beauftragt.
Erfolgsmodelle zeichnen sich zumeist durch eine hohe Spezialisierung der angebotenen Produkte und Dienstleistungen aus. Das gilt insbesondere für produzierende Handwerker, die den gewerblichen Bedarf bedienen. Hier gibt es Beispiele für Unternehmen, die in ihrer Nische weltweit führend sind. Aber auch im Segment der Privatkunden gibt es solche Beispiele.
Mit den oben erwähnten Anteilen dürfte das Außenwirtschaftspotenzial im deutschen Handwerk noch längst nicht ausgeschöpft sein. Hierfür sprechen verschiedene Untersuchungen.
3. Vorgehen und Ergebnisse
Entwickelt wird eine handwerksgerechte Typologie für exportfähige Dienstleistungen und ein Set von Hilfsmitteln (gesetzliche und steuerrechtliche Aspekte, wichtigste Organisationen des Ziellandes etc.) als Grundlage einer Leistungsstandardisierung und -optimierung. Als Voraussetzung für die erfolgreiche (systematische) Entwicklung exportfähiger Dienstleistungen wird die Betriebsorganisation betrachtet. Entwickelt und modellhaft umgesetzt werden geeignete Managementverfahren und -methoden für den Dienstleistungsexport und ein Marktmonitoring. Die entwickelten Methoden werden in speziell für die kleinen und mittleren Unternehmen des Handwerks geeignete Organisationskonzepte (z.B. Netzwerke oder Betreibermodelle) integriert. Das besondere Augenmerk liegt hierbei auf der Verbesserung der Kunden- und Mitarbeiterorientierung und den Wechselwirkungen zwischen Organisation und Technik.
In der Erhebungs- und Strukturierungsphase werden eine Dokumenten-/Literaturanalyse, Workshops, Fachgespräche mit Außenwirtschaftsexperten aus dem Handwerk und internationalen Handelskammern sowie eine strukturierte empirische Erhebung bei (erfolgreich) im Ausland tätigen (handwerklichen) Dienstleistern durchgeführt.
In der Gestaltungsphase werden die Prozessketten analysiert und eine differenzierte Typenmatrix entwickelt. In Workshops vermitteln im Export erfahrene Unternehmen ihr Wissen an Exporteinsteiger. Hierzu wird ein Kreis kleiner von Handwerksunternehmen nach speziellen Kriterien durch eine öffentliche Ausschreibung gewonnen und ausgewählt. Zusätzlich wird ein zweiter, größerer Kreis von Handwerksbetrieben zur Mitwirkung beispielsweise in empirischen Erhebungen und Workshops zusammengestellt.
Die so ermittelten Erfolgsfaktoren zeigen innerbetriebliche Ansatzpunkte auf, aus denen Anforderungen an Organisation, Prozessgestaltung und Mitarbeiterqualifikation abgeleitet werden können.
Die Leistungsfähigkeit zur Erbringung grenzüberschreitender Dienstleistungen spiegelt sich sowohl in organisationalen Aspekten als auch in den Qualifikationen der Mitarbeiter wieder. Eine gute technische Berufsausbildung wird häufig nicht genügen, um der Kultur und der Denkweise der Kunden im Ausland gerecht zu werden. Hier bedarf es einer zusätzlichen Schulung und Weiterbildung. Hinzu kommen viele auf ein Land speziell abzustimmende Vorgehensweisen, die den Verkauf einer Dienstleistung erst ermöglichen. Die Berücksichtigung dieser Verfahren muss sich bei der Entwicklung des kunden- und marktorientierten Produktes oder der Dienstleistung und damit in der Unternehmensorganisation niederschlagen.
Ein Ziel ist daher der Aufbau eines modularen Qualifizierungskonzeptes „Dienstleistungskompetenz im Ausland“ mit Workshop-Charakter, das den jeweiligen Qualifizierungsbedarf unterschiedlicher Zielgruppen (z.B. Betriebsinhaber, Mitarbeiter, Außenwirtschaftsberater der Kammern, sonstige Berater und Experten) erfüllt und die kulturellen Kompetenzen und die Kommunikationsfähigkeit schult.
In verschiedenen Workshops werden Unternehmen, die den Schritt über die Grenze wagen wollen, die vorhandenen Ergebnisse vorgestellt.
|